Tschüss Autopilot, hallo Leben: 5 wirksame Achtsamkeits­übungen für mehr Bewusstheit

Achtsamkeit ist aktuell in aller Munde – und das ist gut so! Denn viel zu oft gehen wir im Automatik-Modus durch den Tag, körperlich zwar anwesend, geistig aber nicht ganz präsent. Dabei können einfache Achtsamkeitsübungen dir helfen, wieder mehr Bewusstheit in den Alltag zu bringen, Entscheidungen freier zu treffen und letztendlich glücklicher zu sein.

In diesem Beitrag erkläre ich dir, was Achtsamkeit eigentlich ist und warum es sich lohnt, sie mithilfe gezielter Übungen zu praktizieren. Außerdem zeige ich dir fünf einfache Achtsamkeitsübungen, die dich sofort ins Hier und Jetzt bringen und die du ganz leicht in deinen Alltag einbauen kannst.

Alina Paul | Autorin bei FREIgefühlt

Du kennst dich mit Achtsamkeit schon ganz gut aus und weißt, welche Vorteile sie mit sich bringt? Dann springe am besten gleich zu meinen Achtsamkeitsübungen!

Was ist Achtsamkeit überhaupt?

Achtsamkeit (englisch mindfulness) bedeutet, den aktuellen Moment bewusst und ohne Bewertungen wahrzunehmen.

Es geht darum, gedanklich nicht ständig in die Vergangenheit oder Zukunft zu schweifen, sondern ganz unvoreingenommen im Hier und Jetzt zu sein und alle aufkommenden Gedanken und Gefühle wohlwollend und mit vollem Gewahrsein wahrzunehmen, ohne über sie zu urteilen.

Es geht darum, ganz unvoreingenommen im Hier und Jetzt zu sein.

Das ermöglicht dir, offen für das zu bleiben, was der Moment für dich bereithält. Anstatt Gedanken, Gefühle und Handlungen dem Automatik-Modus (auch Autopilot genannt) zu überlassen, kannst du mit Achtsamkeit diesen verselbständigten Teufelskreis durchbrechen und so neue Handlungsmöglichkeiten für dich schaffen.

Das wiederum gibt dir mehr Freiheit – die Freiheit, unvoreingenommen über deine Gedanken, Gefühle, Reaktionen und Handlungen zu entscheiden. Klingt verlockend, oder?

Achtsamkeit kannst du gezielt mit Achtsamkeitsübungen schulen. Manche Übungen helfen dir, in die Gegenwart zu kommen, mit anderen kannst du mehr Freude und Zuversicht fördern und wieder andere Achtsamkeitsübungen stärken die innere Ruhe und Gelassenheit. Weiter unten zeige ich dir schöne Übungen für verschiedene Situationen.

Aber zunächst geht es darum, warum Achtsamkeit eigentlich so wichtig ist und welche Vorteile eine regelmäßige Achtsamkeitspraxis hat.

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Erfahre, wie das Achtsamkeitstraining dir im Alltag mehr Glück und Konzentration schenken kann!

Achtsamkeit: Warum sie so wichtig ist und wie sie wirkt

Sicherlich hast du schon gehört, dass eine regelmäßige Achtsamkeitspraxis förderlich für die Gesundheit und das Wohlbefinden ist. Inzwischen konnten die positiven Auswirkungen auf den Körper und Geist auch wissenschaftlich belegt werden.

Doch warum braucht es überhaupt so etwas wie Achtsamkeit und wie genau wirkt sie?

Warum brauchen wir mehr Achtsamkeit im Leben?

In einer schnelllebigen, sich ständig wandelnden und leistungsorientierten Gesellschaft wie der unseren wirst du das höchstwahrscheinlich kennen:

Man steht morgens auf und hat direkt eine lange Liste an To-Do’s im Kopf, ohne auch nur ein paar Minuten für sich selbst genossen zu haben. Man rennt zur Arbeit, ist gedanklich bei Terminen, Erledigungen oder anderen Dingen. Nur selten widmen wir unsere volle Aufmerksamkeit dem, was wir gerade tun oder halten auch nur einen Moment inne, um die Situation mit allen Sinnen wahrzunehmen.

Das führt dazu, dass Situationen im Alltag ganz automatisch „passieren“ und im Autopilot von uns bewertet werden. Aufkommende Gedanken, Gefühle und Bedürfnisse werden in diesem Zustand kaum wahrgenommen oder reflektiert.

Natürlich verpassen wir dadurch den aktuellen Moment…

Natürlich verpassen wir dadurch den aktuellen Moment und bewegen uns viel zu oft in der Vergangenheit oder Zukunft – die wir nicht verändern können.

Negative Gedanken und Glaubenssätze, die sich automatisch in unserem Kopf abspielen, beeinflussen unsere Emotionen und verursachen Stress, der sich wiederum, wenn er nicht abgebaut wird, in Krankheiten wie Depression oder Burn Out manifestieren kann.

Doch auch unabhängig von potenziellen Erkrankungen sind die unbewussten Gedankenmuster und Negativspiralen nicht gerade förderlich für ein glückliches Leben.

Hier kommt Achtsamkeit ins Spiel: Sie kann die äußeren Umstände zwar nicht verändern – aber durch die bewusste und wertfreie Wahrnehmung hilft sie dir, einen besseren Zugang zu den eigenen Gedanken und deiner Gefühlswelt und schließlich auch zu dir selbst zu finden.

Lesetipp: Große Wirkung, kleiner Aufwand – entdecke hier die 5 Minuten Meditation!

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Achtsamkeit schenkt dir die Freiheit, unvoreingenommen über deine Gedanken, Gefühle und Handlungen entscheiden zu können. Dadurch triffst du bewusstere Entscheidungen im Leben und nimmst wieder das Steuer in die Hand!

Positive Auswirkungen von Achtsamkeitsübungen

Mittlerweile sind sich auch die Wissenschaft und Medizin einig, dass es sich auszahlt, Achtsamkeit zu praktizieren. Ich habe für dich ein paar Beispiele gesammelt, welche positiven Auswirkungen regelmäßige Achtsamkeitsübungen auf uns haben. Du wirst sehen, es lohnt sich!

  • Das Stresslevel sinkt nachweislich und du wirst widerstandsfähiger gegen Stress und Belastungssituationen im Alltag. Was es mit den Stresshormonen und dem Stresslevel auf sich hat erfährst du auch im Beitrag Was bringt Meditation?
  • Ängste, negative Gedanken und Glaubenssätze lassen nach, deine Stimmung verbessert sich
  • Positive Gedanken verstärken sich, du wirst zuversichtlicher; dein Selbstvertrauen steigt
  • Du kannst dich besser konzentrieren und bist im Alltag fokussierter
  • Du lässt deinen Gemütszustand weniger von äußeren Umständen beeinflussen und lernst, achtsam mit Herausforderungen umzugehen
  • Du gewinnst ein tieferes Verständnis für dich selbst und dein Leben und förderst Akzeptanz
  • Du nimmst deine physischen Bedürfnisse besser wahr, achtest daher mehr auf deinen Körper und deine Gesundheit und beugst so automatisch Beschwerden vor bzw. linderst sie
  • Da du auch deiner Innenwelt mit mehr Achtsamkeit begegnest, gehst du liebevoller mit dir selbst und schließlich auch mit anderen Menschen um. Um sowohl Selbstliebe als auch Mitgefühl und Güte intensiv zu praktizieren empfehle ich dir die Metta Meditation.

Fünf wirkungsvolle Achtsamkeitsübungen für mehr Bewusstheit

Nun haben wir geklärt, was Achtsamkeit eigentlich bedeutet und welche Vorteile es hat, sie regelmäßig zu praktizieren. Jetzt möchte ich dir fünf wirkungsvolle Achtsamkeitsübungen an die Hand geben, mit denen du auch im Alltag sofort ins Hier und Jetzt kommst und deine Aufmerksamkeit schärfst.

Alles was du brauchst, ist die Bereitschaft, dir ein paar Minuten Zeit zu nehmen und deinen Fokus auf den gegenwärtigen Augenblick zu richten.

5-4-3-2-1-Übung: Achtsamkeitsübung mit allen Sinnen | Top 1

Die 5-4-3-2-1-Übung ist eine effektive Achtsamkeitsübung, um die Situation mit allen Sinnen wahrzunehmen, Gedanken loszulassen und den Fokus auf das Hier und Jetzt zu richten. Die Übung hilft besonders dann, wenn du von deiner Gefühlswelt überrollt wirst und dich schwertust, einen kühlen Kopf zu bewahren.

Mit ihr kommst du ganz schnell aus einem Zustand emotionaler Anspannung (beispielsweise Angst, Stress, Ärger etc. – Lesetipp: Atemübungen gegen Flugangst) in die Entspannung. Ich finde die Übung aber auch wirklich super, um schöne Momente im Alltag festzuhalten.

Du kannst diese Achtsamkeitsübung jederzeit und überall machen, ganz egal, wo du dich gerade befindest oder ob du stehst, sitzt oder liegst. Ein paar Minuten reichen schon, um von dieser Übung zu profitieren. So funktioniert sie:

  1. Lass deinen Blick auf einem Objekt in deiner Nähe ruhen oder schließe die Augen. Richte nun den Fokus für einen Moment auf deinen Atem. Atme ein paar Mal ein und aus und spüre die Ruhe, die dadurch einkehrt. Mit jedem neuen Atemzug entspannst du ganz bewusst.
  2. Solltest du die Augen geschlossen haben, kannst du sie nun wieder öffnen. Jetzt schaue dich an dem Ort, an dem du dich befindest, gut um. Benenne fünf Dinge, die du sehen kannst (zum Beispiel: „Ich sehe einen Baum, die Blätter, den Himmel, …“).
  3. Wenn du fünf Dinge aufgezählt hast, die du sehen kannst, wende dich dem Hören zu. Jetzt nenne vier Dinge, die du hören kannst (zum Beispiel: „Ich höre die Autos in der Ferne, das Vogelgezwitscher, den Wind, …“).
  4. Danach richtest du die Aufmerksamkeit auf das, was du spürst und zählst drei Dinge auf, die du fühlst (zum Beispiel: „Ich spüre, wie meine Füße den Boden berühren, wie mein Brustkorb sich hebt und senkt, wie die Kleidung auf meinem Körper aufliegt, …“). Achtung: Hier geht es nicht um Gedanken oder Gefühle, die auftauchen (zum Beispiel Angst, innere Unruhe etc.). Vielmehr wird bei dieser Übung gezielt die Aufmerksamkeit nach außen bzw. auf dein Körpergefühl gelenkt.
  5. Anschließend schenkst du deinem Geruchssinn die volle Beachtung. Zähle zwei Dinge auf, die du riechen kannst (zum Beispiel: „Ich rieche die Herbstluft, die warme Erde, …“).
  6. Als letzten Punkt benennst du noch eine Sache, die du schmecken kannst (zum Beispiel: „Ich schmecke die Würze in der Umgebung“).
  7. Schließe jetzt für einen Moment deine Augen, atme noch ein Mal tief durch und wiederhole deine Wahrnehmungen gedanklich. Vielleicht gelingt es dir ja, den eben erfassten Moment vor deinem inneren Auge abzuspielen?
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Die 5-4-3-2-1-Übung ist ein wunderbares Achtsamkeitstraining für mehr Bewusstsein, welches du jederzeit und überall machen kannst.

Spüre deinen Atem: Achtsamkeitsübung mit Meditation | Top 2

Diese Übung ist ein Klassiker unter den Achtsamkeitsübungen und beinhaltet eine kurze Meditation. Der Atem dient hier als Anker und hilft dir in die Gegenwart zu kommen. Mit dieser Übung gelingt es dir, deinen Körper achtsam wahrzunehmen und zur Ruhe zu finden.

  1. Wähle eine bequeme Sitzposition, sei es auf einem Meditationskissen oder auf einem Stuhl. Hauptsache ist, dass du dabei aufrecht und bequem sitzt. Schließe deine Augen.
  2. Nun konzentriere dich voll und ganz auf deinen Atem und versuche, jeden Atemzug ganz achtsam wahrzunehmen. Atme tief durch die Nase ein und nimm wahr, wie Luft in deinen Körper strömt, deine Lungen und deinen Bauchraum füllt.
  3. Atme durch den Mund wieder aus und spüre, wie die warme Luft deinen Körper wieder verlässt.
  4. Wenn Gedanken oder Gefühle auftauchen, nimm sie wahr, aber bewerte sie nicht. Lass sie einfach wie Wolken am Himmel vorbeiziehen und fokussiere dich wieder auf das Atmen.
  5. Führe diese Meditation ein paar Minuten lang durch und nimm die Stille wahr, die sich langsam in dir ausbreitet.
  6. Komme dann langsam wieder zurück in den Alltag und öffne deine Augen. Nimm dir die Zeit, anzukommen und dich wieder an deine Umgebung zu gewöhnen.

Mein Tipp: Das Atmen begleitet uns unser ganzes Leben lang und ist ein automatischer Vorgang. Daher kannst du den Atem in dieser Übung natürlich laufen lassen, ohne ihn zu beeinflussen oder zu steuern.

Meditation ist dir neu, aber du möchtest mehr darüber lernen und intensiver eintauchen? Dann empfehle ich dir folgenden Beitrag: Meditieren lernen in unter 1 Minute!

Die Kraft der Dankbarkeit: Achtsamkeitsübung für mehr Freude und Zuversicht | Top 3

Sich in Dankbarkeit zu üben ist meiner Meinung nach eine der schönsten Achtsamkeitsübungen überhaupt! Viel zu oft wird in unserem Alltag all das Positive von einer auch noch so kleinen negativen Erfahrung überschattet. Daher geht es bei dieser Übung darum, dass alle Facetten eines Moments wahrgenommen werden – vor allem auch die positiven!

Richtest du den Fokus auf das, was in deinem Leben bereits gut läuft, shiftest du von einem Mangelbewusstsein hin zu einem Bewusstsein der Fülle – zwei völlig verschiedene Ausgangspunkte!

Nicht die Glücklichen sind dankbar. Es sind die Dankbaren, die glücklich sind.

Francis Bacon
Dankbarkeit hilft, den Fokus auf das Positive im Leben zu richten.

Die Übung ist ganz einfach: Halte kurz inne, atme ein Mal tief durch und nenne dann mindestens drei Dinge, für die du gerade dankbar bist.

Das können ganz große Errungenschaften und Ereignisse sein, die dein Leben beeinflusst haben. Viel öfter aber sind es die kleinen Dinge, die unser Leben am meisten bereichern – zum Beispiel eine Tasse duftender Kaffee am Morgen, der Sonnenschein und seine Wärme, ein Spaziergang an der frischen Luft oder ein befreiendes Gespräch.

Während du die Dinge aufzählst, versuchst du am besten, die Dankbarkeit wirklich zu spüren und lässt das Gefühl in deinem Körper ausbreiten. So kannst du es bestmöglich verankern und profitierst am meisten davon.

Dankbarkeit ist wie ein Muskel, der sich trainieren lässt – je öfter du in voller Absicht Dankbarkeit kultivierst, desto leichter fällt es dir, dich von negativen Gedanken und Glaubenssätzen zu verabschieden und Zuversicht und Wertschätzung für das eigene Leben zu entwickeln.

Versuche, die Dankbarkeit wirklich zu spüren und lass dieses Gefühl sich in deinem ganzen Körper ausbreiten.

Mein Tipp: Ich mache die Übung jeden Morgen direkt nach dem Aufwachen und kann das jedem nur ans Herz legen! So kann ich den neuen Tag gleich mit einem positiven Blick begrüßen und beginne ihn mit einem ganz anderen Lebensgefühl.

Raus aus dem Automatik-Modus: Achtsamkeitsübung für mehr Bewusstheit | Top 4

Es ist schon erstaunlich, wie viel von unserem Alltag wir ganz automatisiert ausführen und dabei in Gedanken bei etwas ganz anderem sind. Sei es auf der Autofahrt nach Hause, beim Abspülen, während der Mahlzeiten, unter der Dusche oder vor dem Einschlafen.

Studien zufolge laufen 95 Prozent unserer Gedanken, Emotionen und Handlungen unbewusst ab – wenn du einmal darauf achtest, wie viel Zeit des Tages du damit verbringst, über Vergangenes oder Zukünftiges nachzudenken, wirst du vermutlich schockiert sein – ich war es jedenfalls! Das ist natürlich viel zu schade, da wir dabei die kleinen Momente des Lebens und ihre Schönheit verpassen!

Daher geht es bei der nächsten Achtsamkeitsübung darum, alltäglichen Aufgaben wieder die volle Beachtung zu schenken und mehr Bewusstsein dafür zu entwickeln. Das schöne daran ist, dass man diese Übung wirklich immer machen kann und dafür nicht einmal extra Zeit benötigt. Stattdessen richtest du einfach deinen Fokus vollständig auf das, was du gerade ohnehin schon machst und führst das in voller Achtsamkeit aus!

Beim Abspülen heißt das zum Beispiel, das warme Wasser auf den Händen zu fühlen, die Seife und ihre Blubberblasen wahrzunehmen, achtsam mit dem Schwamm über die Teller zu fahren und die Oberfläche zu spüren. Und plötzlich stellt man fest, dass der Abwasch gar nicht so lästig sein muss und sogar etwas Meditatives hat.

Mein Lesetipp dazu: Erfahre im Beitrag Was ist Meditation? was es mit der meditativen Versenkung wirklich auf sich hat.

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Achtsamkeit ist ebenfalls im Buddhismus und der buddhistischen Lehre stark vertreten. Das Achtsamkeitstraining, der Fokus auf die Atemzüge sowie der Bodyscan wie er beim Vipassana praktiziert wird sind wichtige Bestandteil der buddhistischen Meditationspraxis.

Body-Scan: Achtsamkeitsübung für ein besseres Körpergefühl | Top 5

Der Body-Scan ist vor allem durch das MBSR-Programm (MBSR = Mindfulness Based Stress Reduction) des Medizinprofessors Jon Kabat-Zinn bekannt geworden, welcher die Achtsamkeitsübung in seinen weltweit bekannten achtwöchigen Kurs integriert hat.

Aber auch wenn du Yoga praktizierst, wird dich die Übung vielleicht an das Shavasana, die Entspannung am Ende einer Yogaeinheit, erinnern. Mit dem Body-Scan kannst du deine Körperwahrnehmung stärken, Stress loslassen sowie Körper und Geist zur Ruhe bringen.

Der Bodyscan ist eine Körperreise, bei der du in Gedanken durch deinen Körper wanderst und alle Körperteile achtsam wahrnimmst.

Die Übung ist mit einer Körperreise vergleichbar, bei der du in Gedanken nach und nach durch deinen Körper wanderst und die einzelnen Körperteile achtsam wahrnimmst (scannst).

Ich empfehle dir, den Body-Scan vor allem morgens zu üben, da du da noch frischer und wacher bist. Abends fällt es oft schwer, wachzubleiben und nicht in den Schlaf zu gleiten – ich spreche da aus eigener Erfahrung.

Am besten machst du den Body-Scan zu Hause oder an einem Ort, an dem du dich wohl fühlst und die Möglichkeit hast, dich bequem hinzulegen. Vorzugsweise achtest du darauf, dass im Raum eine angenehme Temperatur herrscht und dir weder zu kalt noch zu warm ist.

Wenn du in der Stadt oder zusammen mit anderen wohnst, mach gerne die Tür und die Fenster zu, um während der Achtsamkeitsübung ungestört zu sein. Dein Handy kannst du ausmachen oder auf Flugmodus stellen.

Und so funktioniert der Body-Scan:

  1. Lege dich auf dein Bett oder eine Matte auf dem Boden (Tipp: so findest du den passenden Meditationssitz). Richte es dir schön ein und deck dich zu, wenn dir danach ist. Setze dir eine Intention für die Übung – das ist eine positive Absichtserklärung, zum Beispiel: „In den nächsten 15 Minuten schenke ich meinem Körper meine volle Aufmerksamkeit“ oder „Ich bleibe während des Body-Scans wach und aufmerksam und nehme alle Empfindungen bewusst wahr“. Schließe dann die Augen.
  2. Nimm ein paar tiefe Atemzüge, lass den Stress des Tages los und komm langsam zur Ruhe. Solltest du merken, dass deine Gedanken sich während der Übung verselbständigen, dann komm einfach mit deiner Konzentration wieder bewusst zum Atem und schließlich zum jeweiligen Körperbereich zurück. Wir beginnen mit dem Body-Scan von unten nach oben.
  3. Als erstes schickst du eine Welle der Achtsamkeit in deine Füße: Spüre ganz achtsam jeden einzelnen Zeh, deine Fußsohle, deinen Fußballen, deine Ferse. Nimm alle damit verbundenen Körperempfindungen wahr. Sind sie kalt oder warm, fühlen sie sich schwer oder leicht an, kribbelt es in dem Bereich etc.?
  4. Als nächstes gleitest du mit deiner Aufmerksamkeit weiter nach oben, zu deinen Waden und Schienbeinen und registrierst, wie sich diese Körperregion anfühlt. Du kannst deine Kleidung auf der Haut spüren, fühlen, in welchen Bereichen dein Körper das Bett oder den Stuhl berührt oder auch einfach deine Atmung in den jeweiligen Bereich senden.
  5. Danach wanderst du achtsam über die Knie zu deinen Oberschenkeln und machst hier wieder das Gleiche. Spüre in diesen Schenkelbereich und nimm einfach wahr, was da ist, ohne zu bewerten.
  6. Mit dieser Methode gleitest du von unten nach oben weiter durch deinen Körper und nimmst alle Empfindungen zur Kenntnis, bis du schließlich am Kopf und am Scheitelpunkt angekommen bist. Achte darauf, immer beide Körperhälften zu integrieren, d.h. beispielsweise beide Arme nacheinander zu erforschen.
  7. Wenn du dich von unten nach oben gedanklich vollständig „abgescannt“ hast, bereitest du dich langsam drauf vor, wieder in die Gegenwart zurückzukommen. Schicke ein paar Atemzüge in deinen gesamten Körper und öffne dann ganz genüsslich deine Augen. Lass dir Zeit, wieder im Hier und Jetzt anzukommen, streck und räkel dich und tue das, was dir jetzt gut tut!

Mein Tipp: Viele Menschen haben Schwierigkeiten, manche Körperteile zu spüren. Das ist kein Grund für negative Gedanken und muss dich nicht unter Druck setzen. Keine Empfindung ist auch eine Empfindung, außerdem führt das Achtsamkeitstraining dazu, dass es dir mit der Zeit immer leichter fällt.

Möchtest du deinen ersten Body-Scan lieber als geführte Meditation ausprobieren, anstatt dich selbst durch die Übung zu führen, kann ich dir diese 30-minütige Anleitung vom Experten für MBSR und Achtsamkeit Thomas Zaussinger empfehlen:

Anleitung zum Body-Scan vom MBSR- und Achtsamkeitslehrer Thomas Zaussinger.

Achtsamkeit in den Alltag integrieren

Eigentlich ist es mit der Achtsamkeit wie mit allen guten Gewohnheiten: Um wirklich davon zu profitieren, solltest du dranbleiben! Je öfter du Achtsamkeitsübungen machst und dich auf das Hier und Jetzt besinnst, desto leichter wird es dir gelingen, auch insgesamt achtsam durch den Tag zu gehen.

Mit den fünf Achtsamkeitsübungen hast du schon eine solide Grundlage, um dich in Bewusstheit zu üben und die Aspekte der Achtsamkeit nach und nach in deinen Alltag zu integrieren.

Ich rate dir, dir eine tägliche Achtsamkeitsroutine mit regelmäßigen Übungen zu etablieren, in der du dir gezielt Zeit für dich und deine Achtsamkeitspraxis nimmst. Du kannst dir zum Beispiel morgens nach dem Aufwachen ein paar Minuten Zeit für dich nehmen und mit dem Body-Scan den Tag begrüßen, eine kurze Meditation machen oder ein Dankbarkeitstagebuch führen.

Wichtig ist, dich damit nicht unter Druck zu setzen oder zu überfordern. Oder wie mein Achtsamkeitstrainer immer sagte: „Auch nur eine Minute Achtsamkeitspraxis ist besser als gar keine!“

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Gesunde Routinen, wie z. B. ein Dankbarkeitstagebuch, festigen deine Achtsamkeitspraxis.

Vielleicht wird dir über den Tag verteilt der eine oder andere Gedanke an deine Achtsamkeitspraxis kommen. Am besten nutzt du diesen kurzen Moment gleich für dich und schenkst ihm die volle Aufmerksamkeit. In der vierten Übung hast du gesehen, dass Achtsamkeit in alle Facetten des Alltags passt und zu jeder Zeit angewendet werden kann – auf der Arbeit, beim Haushalt, beim Essen oder Zähne putzen.

Je mehr du dich mit dem Thema beschäftigst, desto schneller wirst du auch im Alltag die positiven Auswirkungen der Achtsamkeitsübungen spüren!

Achtsamkeitsübungen FAQ: Deine Fragen, meine Antworten

Was haben Achtsamkeitsübungen mit Meditation zu tun?

Achtsamkeit bedeutet, im Hier und Jetzt zu sein und den Moment mit allen Sinnen wahrzunehmen, ohne zu urteilen. Dabei gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die eigene Achtsamkeit zu trainieren – eine davon ist Meditation – Lesetipp dazu: Unsere Meditationsanleitung zum wahren Selbst. Da du während einer Meditation deinen Blick nach innen richtest und deinen Geist schulst, wertfreier Beobachter zu sein, Gedanken loszulassen und sich auf den Moment zu fokussieren, ist sie ein tolles Werkzeug, um Achtsamkeit gezielt zu üben.

Ist MBSR das Gleiche wie Achtsamkeit?

Die Abkürzung MBSR steht für Mindfulness Based Stress Reduction und entspricht einem achtwöchigen Programm zur achtsamkeitsbasierten Reduktion von Stress. Entwickelt wurde diese Technik vom Molekularbiologen Job Kabat-Zinn in den 1970er Jahren und ist heute eine der bekanntesten Methoden, um Achtsamkeit im Rahmen eines Kurses zu kultivieren und das Erlernte in den Alltag und das eigene Leben zu integrieren.

Braucht Achtsamkeit Zeit?

Viele Menschen glauben, dass Dinge in Achtsamkeit auszuführen mehr Zeit beansprucht, doch das muss gar nicht der Fall sein. Alles was du machst, kannst du achtsam und mit voller Aufmerksamkeit tun, ohne dass du dafür mehr Zeit benötigst.
Allerdings ist es durchaus sinnvoll, gesunde Routinen zu etablieren, die dich dabei unterstützen, ein achtsames Leben zu führen – und dazu kann es gehören, sich täglich ein Zeitfenster zu blocken, um gezielt Achtsamkeitsübungen oder Meditation zu praktizieren.
Fängst du mit den Übungen an und bleibst bei der Sache, kann ich dir versprechen, dass das regelmäßige Training schnell Früchte tragen wird!

Achtsamkeitsübungen | Mein persönliches Fazit

Alina Paul: Autorin bei FREIgefühlt

Obwohl sich Achtsamkeit völlig zurecht so großer Beliebtheit erfreut, ist sie für mich mehr als nur ein Trend. Als ich vor einigen Jahren in einer persönlichen Krise steckte, haben mir regelmäßige Achtsamkeitsübungen sehr geholfen, den Blick wieder auf die wesentlichen Dinge des Lebens zu richten und meine Mitte zu finden.

Für mich ist Achtsamkeit eine innere Haltung und eine Lebenseinstellung, die es mir ermöglicht, freier zu sein und ein glücklicheres Leben zu führen!

Ich hoffe, ich konnte dich mit meiner Begeisterung für Achtsamkeit anstecken und wünsche dir ganz viel Spaß beim Ausprobieren! Wähle einfach die passende Achtsamkeitsübung für dich, je nachdem, ob du Stress abbauen möchtest, dir mehr Freude im Alltag wünschst oder einfach zur Ruhe kommen willst!

Unterschrift Alina Paul

Hast du eine der Übungen schon ausprobiert? Lass mich gerne wissen, welche das war, wie sie dir gefallen hat und ob du bereits Veränderungen spürst! Oder kennst du vielleicht andere tolle Achtsamkeitsübungen, die du mit uns teilen möchtest?

Ich liebe das Reisen. Doch egal wohin man geht, unsere innere Lebenswelt hat man immer dabei. Daher habe ich vor Jahren beschlossen, meiner inneren Welt mehr Beachtung zu schenken. Ich freue mich meine Erfahrungen mit dir zu teilen und dich vielleicht ein Stück weit damit zu inspirieren!


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